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03.11.2016

"Alles schon fair? Mit Recht zu einem inklusiven Arbeitsmarkt!" Dossier zu 10 Jahren Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Ein neues Dossier der IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung & Antidiskriminierung nimmt den zehnten Jahrestag des Inkrafttretens des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zum Anlass, dieses aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu beschreiben, zu analysieren und zu bewerten. Expert*innen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden und Praxis vermitteln ihr fundiertes Wissen und ihren breiten Erfahrungsschatz zu diesem Bundesgesetz, das vier europäische Richtlinien für Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung vereint.

Vor nunmehr 10 Jahren trat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, in Kraft. In einem umfassenden, eigenständigen Gesetz vereint es vier europäische Richtlinien mit dem Ziel, vor rassistischen Diskriminierungen, vor Diskriminierungen wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu schützen beziehungsweise diese zu beseitigen.

Diesen Jahrestag nimmt die IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung & Antidiskriminierung zum Anlass, im Rahmen eines Dossiers eine Bilanz zu ziehen. Wie die Herausgeber*innen im Vorwort betonen, kommt dem Jubiläum eine besondere Bedeutung zu, da es in eine Zeit fällt, "in der rechtspopulistische Stimmen in der öffentlichen, politischen und medialen Debatte überrepräsentiert sind; in der laut der aktuellen „Mitte“-Studie feindliche Einstellungen gegenüber Asylsuchenden, Musliminnen und Muslimen sowie Sinti und Roma stark angestiegen sind; in der alltäglich rassistisch motivierte Gewalt ausgeübt wird. Eine Zeit, in der aber auch das ehrenamtliche Engagement für Geflüchtete ungebrochen ist; in der laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) im Zusammenhang mit der Zuwanderung durch Geflüchtete mehrere Zehntausend neue Stellen entstanden sind; in der sich Unternehmen mit einer gelebten Willkommenskultur für Menschen aus Einwandererfamilien und für Fachkräfte aus dem Ausland als attraktive Arbeitgeber zu positionieren suchen."

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schafft ein Bewusstsein für das Thema Diskriminierung. Und dies ist nach wie vor dringend notwendig: Lt. der groß angelegten Studie „Diskriminierung in Deutschland“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) hat ein Drittel der Bevölkerung in den vergangenen 24 Monaten Diskriminierung erfahren. Diskriminierung findet in allen Lebensbereichen statt. Besonders zahlreich sind Benachteiligungen im Erwerbsleben. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund nennen das Arbeitsleben als den Bereich, in dem sie am häufigsten Diskriminierungserfahrungen machen.

Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes fragt die IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung nun mit diesem Dossier: „Alles schon fair?“ Sie hat Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden und Praxis eingeladen, ihre Einschätzungen zu dieser Frage zu geben und ihre Erfahrungen mit dem AGG zu schildern.

Entstanden ist ein vielstimmiges und facettenreiches Dossier, in dem das Gesetz aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, analysiert und bewertet wird. Doch mit Recht allein kann der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft nicht beschritten werden, weil eine Verrechtlichung gesellschaftlicher und menschlicher Beziehungen kaum wünschenswert ist. Deshalb werden im Ausblick exemplarisch weitere Ansätze und Handlungskonzepte vorgestellt, die ebenfalls zum Schutz vor und zum Abbau von Diskriminierung beitragen können.

Das Dossier enthält unter anderem Beiträge von Bundesministerin Andrea Nahles, Christine Lüders, der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Prof. Dr. Albert Scherr von FH Freiburg, Helga Nielebock vom Deutschen Gewerkschaftsbund, Roland Wolf vom Bund der Arbeitgeber, Mechthild von der LADS RLP, Eva Maria Andrades vom Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin, Jay Keim von LesMigras sowie von Mitarbeitenden verschiedener Teilprojekte des Förderprogramms IQ.

Exemplare können gerne bestellt werden bei Frau Hrachuhi Bostanchyan: hrachuhi.bostanchya@via-bayern.de.

Als PDF zum Download gibt es das Dossier auf der Webseite der IQ Fachstelle "Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung".