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31.10.2014

Neue Studie zur Migration und Integration von Zuwanderern

„Migration und Integration zahlen sich für Einwanderer in Deutschland aus“, so ein zentrales Ergebnisse der Migrationsstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Migration und Integration zahlen sich für Einwanderer in Deutschland aus: Das durchschnittliche nominale Nettoeinkommen der Migranten ist hier mehr als doppelt so hoch wie im Auswanderungsland. Einwanderer mit sehr guten Sprachkenntnissen erzielen rund 20 Prozent mehr Lohn als diejenigen, die die deutsche Sprache nicht gut beherrschen. Mehr als die Hälfte der Einwanderer findet den ersten Job über Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Migranten, die soziale Kontakte zu Menschen ohne Migrationshintergrund pflegen, sind deutlich zufriedener. Das sind zentrale Ergebnisse der neuen IAB-SOEP-Migrationsstichprobe des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Gute Sprachkenntnisse und Anerkennung der Berufsabschlüsse steigern den Lohn deutlich

Die Studie geht auch der Frage nach, inwiefern es Einwanderern gelingt, ihre Qualifikationen aus dem Ausland in Deutschland einzusetzen. Dafür seien drei Faktoren zentral:

  • Deutschkenntnisse
  • Anerkennung der Abschlüsse
  • und Diskriminierungserfahrungen

  • Da die mitgebrachten beruflichen Kompetenzen meist nur dann genutzt werden können, wenn Migranten gut (genug) Deutsch sprechen, seien Sprachkenntnisse eine der "wichtigsten Humankapitalinvestitionen". Die Ergebnisse zeigen:
    Je besser Einwanderer die Landessprache beherrschen, desto öfter finden sie ihrer Ausbildung entsprechende Arbeit und erzielen höhere Löhne. Der monatliche Nettolohn von Personen, die sehr gute Sprachkenntnisse vorweisen, liegt fast 22 Prozent über dem Lohnniveau von Personen, die über keine oder schlechte Deutschkenntnisse verfügen. Zugleich sinkt mit steigenden Sprachkenntnissen das Risiko, nicht entsprechend der beruflichen Qualifikation beschäftigt zu werden.

    Doch lediglich 12 Prozent der Migranten konnten bei ihrem Zuzug bereits gut oder sehr gut Deutsch. Dabei zeigen Sprachkurse oder gute persönliche Netzwerke in Deutschland offenbar Wirkung: So gaben 58 Prozent der Befragten an, die Landessprache inzwischen gut oder sehr gut zu beherrschen – wobei ihr Anteil mit der Länge der in Deutschland verbrachten Jahre zunimmt.
    Zum Zeitpunkt der Befragung verfügten 54 Prozent aller Teilnehmer über eine abgeschlossene Berufs- oder Hochschulbildung, 10 Prozent gingen zur Schule oder machten eine Ausbildung und 35 Prozent hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Ergebnisse zeigen den Verfassern der Stichprobe zufolge, dass Migranten "stark in Bildung und Ausbildung investieren", denn: beim Zuzug nach Deutschland hatte die Mehrheit der Befragten (63 Prozent) keine abgeschlossene Berufsausbildung.
    Mit der Anerkennung der beruflichen Abschlüsse steigt der Verdienst um 28 Prozent und sinkt das Risiko, ausbildungsinadäquat zu arbeiten. Rund ein Drittel der Migranten hat die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen beantragt. Bei 50 Prozent der Antragsteller wurden die Abschlüsse als vollständig gleichwertig, bei weiteren 20 Prozent als teilweise gleichwertig anerkannt.

    Netzwerke sind für die Arbeitsuche entscheidend
    Mehr als die Hälfte der Migranten fand ihre erste Arbeitsstelle durch Familienangehörige, Freunde und Bekannte, rund ein Fünftel durch eine öffentliche oder private Arbeitsvermittlung. Die Lebenszufriedenheit der Migranten steigt an, wenn soziale Kontakte zu Personen ohne Migrationshintergrund gepflegt werden. Der Untersuchung zufolge haben drei Viertel der seit 1995 nach Deutschland zugezogenen Menschen private Kontakte zu Personen ohne Migrationshintergrund. Bei den vor 1995 zugezogenen Migranten liegt der Anteil sogar bei fast 85 Prozent. Umgekehrt hat nur ein Viertel der Personen ohne Migrationshintergrund in Deutschland private Kontakte zu Migranten.

    Insgesamt sind in Deutschland lebende Migranten und ihre Nachkommen nicht unzufriedener oder zufriedener als Personen ohne Migrationshintergrund. Gut die Hälfte der befragten Migranten gibt allerdings an, dass sie in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Von den Befragten mit Diskriminierungserfahrung berichtet ein Viertel sogar von häufigen Diskriminierungserfahrungen.

    Die Studie
    Die Studie beruht auf der neuen IAB-SOEP-Migrationsstichprobe mit rund 5.000 Befragten. Dabei werden Informationen zu ihrer Migrations-, Bildungs- und Erwerbsbiografie erhoben, aber auch zur Lebenszufriedenheit und zu Diskriminierungserfahrungen. Der Datensatz eröffnet neue Analysepotenziale für die Migrations- und Integrationsforschung und die Politikberatung, insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsmarktintegration von Migranten und ihre Nachkommen.

    Die Ergebnisse der Studie können auf der Seite des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Oder hier heruntergeladen werden.